930 000 €, so viel wie 4 Lamborghinis, das ist der Endkundenpreis eines der teuersten Flügel der Welt: Der Carl Bechstein Sphinx-Flügel. 32 Monate, 1800 Arbeitsstunden, so lange hat es gebraucht das teuerste Klavier der Welt zu bauen. Auch wenn dieser Preis vielleicht vorerst verrückt klingen mag, kann man mit etwas Hintergrundwissen diese große Zahl verstehen.

Die Geschichte des Klaviers geht auf die Wiege der Oper, Italien zurück. Im frühen 18.Jahrhundert entwickelte der Instrumentenbauer Bartolomeo Christofori die ersten Hammerklavier. Anders als das Cembalo, welches im 16.-18.Jahrhundert in der Barockmusik weit verbreitet war, ermöglichte das Hammerklavier den Musikern lediglich durch den Tastenanschlag die Lautstärke zu varrieren. Dadurch konnte mehr Dramatik und Spannung aufgebaut werden, da Lautstärke ein wichtiges Stilmittel in der Musik ist. Im 19. Jahrhundert wurde durch die Industrialisierung, also den Einsatz von größeren Fabriken und technischem Fortschritt etc., Klaviere in größerer Anzahl hergestellt, wodurch sie für mehr Leute verfügbar und erreichbar wurden.

Doch wer sich für den Kauf eines Klaviers interessiert, der stellt schnell fest, dass es nicht nur eine Art von Klavier gibt. In den Jahrhunderten, die das Klavier nun schon hinter sich hat, hat es sich in viele verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Heute gibt es das akustische Klavier, das Pianino, das elektrische Klavier, das Digitalpiano und natürlich den allbekannten Flügel. Aber der Kauf eines Klaviers bietet weitaus mehr Hindernisse als bloß die Art. Qualität und Klang spielt eine große Rolle, zudem ist es wichtig, sich von verführerischen Schnäppchen nicht den Kopf verdrehen zu lassen.

Aber bevor man das Klavier kauft, sollte man vielleicht wissen, woher der Name überhaupt stammt. ,,Clavis“ ist Latein und bedeutet Schlüssel, der Clavis/Schlüssel stand in er Musiktheorie für einen Ton. Diese werden in der Musiktheorie mit Buchstaben bezeichnet, um sie zu unterscheiden. Daher kam auch die Bezeichnung Notenschlüssel, der im Notensystem zur Orientierung und Findung der Töne dient. Da bei der Orgel häufig die Buchstaben direkt zum Verständnis auf die Tasten geschrieben wurden, hat sich der Name ,,Clavis“ langsam auf die Taste an sich übertragen. Im Lateinischen ist der Plural der Tasten ,,Claves“, was durch die Übertragung in das Französische zu ,,Clavier“ wurde. Dieser Begriff wurde dann auch im Deutschen immer gebräuchlicher. Aber diese ganze Geschichte ist doch ein bisschen schwierig zu merken. Die Wortbedeutung lässt sich gut mit dem allbekannten Keyboard im Gedächtnis behalten. ,,Key“ ist das englische Wort für ,,Schlüssel“ und das klavierartige, elektonische Instrument, mit deutlich geringerem Tastenwiderstand, weniger Tasten und einigen Zusatzfunktionen ist deutlich bekannter als die Geschichte über Orgeln, Musiktheorie, Latein und Französisch.

Doch was steckt jetzt eigentlich in diesem sagenhaften Instrument, woher kommt der Klang und was verbirgt sich hinter den 88 Tasten? Wenn man ein Klavier tatsächlich öffnet, verbergen sich dahinter etwa 230 Saiten. Erstmal klingt das etwas verrückt, doch gerade wer einmal einen Blick in einen geöffneten Flügel geworfen hat, konnte das innere Spektakel bewundern. Kleine Holzhammer, die mit einem feinen Filz überzogen sind, hauen beim Betätigen einer Taste auf eine oder mehrere Saiten gleichzeitig, daher auch der Begriff Hammerklavier. Beim Cembalo ist das z.B anders, was einem vielleicht auch an dem etwas verschiedenen Klang auffällt, hier werden die Saiten nicht geschlagen, sondern gezupft. 230 Saiten auf 88 Tasten? Damit alle Töne egal in welcher Tonlage gleich laut klingen, werden in den höheren Tonlagen bis zu drei Saiten gleichzeitig betätigt, indem man nur eine Taste drückt. In den tieferen Tonlagen ist der Ton meist schon so laut und intensiv, dass eine Saite ausreicht. Jetzt sollte man sich aber nicht verwirren lassen, im allgemeinen ist das Klavier immer noch ein Tasteninstrument, erst auf der physikalischen und wissenschaftlichen Ebene gehen die Meinungen etwas auseinander.

Klaviere zaubern, wie ich finde. Ob man nun auf einem Konzert einer der größten Pianisten unserer Zeit dem Klavier lauscht oder irgendwo in der Innenstadt jemanden klimpern hört, es ist stets eine Ehre, die man häufig gar nicht richtig wahrnimmt. Ein solches Instrument hören oder sogar spielen zu dürfen, ist wie eine Reise durch die ganze Geschichte des Klaviers, durch all seine Formen und seine versteckten Geheimnisse. Man muss nicht perfekt Klavier spielen, um zu verstehen, dass der Klang eines Klaviers aus einer anderen Welt kommt, in die man für eine kurze Zeit vereisen darf und Urlaub machen kann.