Frau Bernet und Frau Lippert sind seit den Sommerferien 2025 die neuen Beratungslehrkräfte an unserer Schule. Wie haben mit Frau Bernet und Frau Lippert direkt gesprochen und Ihnen ein paar sehr interessante Fragen gestellt. Hier könnt ihr euch gerne informieren:

Redaktion: „Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen! Stellen Sie sich bitte kurz vor.“

Frau Lippert: „Ich bin Frau Lippert und ich unterrichte Deutsch, Erdkunde, WUK und Gewi. Ich bin seit 16 Jahren am Kippenberg-Gymnasium und seit letztem Sommer Beratungslehrerin, da Frau Bongartz in Rente gegangen ist.“

Frau Bernet: „Genau, und ich bin Frau Bernet. Neben der Beratungstätigkeit unterrichte ich seit 8 Jahren Französisch, Biologie und NW am Kippenberg-Gymnasium.“

Redaktion: „Was machen Beratungslehrkräfte eigentlich?“

Frau Bernet: „Eigentlich können sich alle Schüler:innen, Lehrkräfte und Eltern an uns wenden, wenn es Schwierigkeiten, egal welcher Art, gibt. Das reicht von Ängsten über Klassenkonflikte bis hin zu Stressmanagement. Aber auch für den Umgang mit familiären Themen, Identitätsfragen oder schulischen Problemen sind wir da und nehmen wir uns Zeit, auch mal eine ganze Schulstunde lang, zum Beispiel.“

Redaktion: „Wo können die Schüler:innen Sie in der Schule finden?“

Frau Bernet: „Wir haben diesen Raum hier zur Verfügung (V16), in dem wir die Gespräche in einem geschützten Rahmen führen können.“

Frau Lippert: „Man kann einzeln kommen, aber manchmal kommen auch ganze Gruppen, wenn es in einer Klasse großen Streit gibt. Manchmal kommen auch Lehrkräfte und bitten uns, mit der ganzen Klasse zu arbeiten.“

Redaktion: „Wenn man zu Ihnen kommt, was passiert dann? Gilt für Sie eine Schweigepflicht und werden die Beratungen vertraulich behandelt?“

Frau Bernet: „Wir haben bestimmte Grundsätze nach denen wir arbeiten. Das sind vor allem drei. Also, dass die Beratung immer freiwillig ist. Das heißt, niemand muss hierher kommen. Dann sind wir streng vertraulich. Das heißt, dass wir einer Schweigepflicht unterliegen. Wir besprechen die Themen, die hier im Raum besprochen werden nur mit anderen Personen, wenn die Beteiligten einverstanden sind und das möchten. Und wir sind unparteiisch. Also, wir sind in dem Moment keine bewertenden Lehrkräfte, sondern wirklich nur die beratenden Personen und ein Stück weit auch eine Zwischenkontaktstelle.“

Frau Lippert: „Wir haben Kontakt zu vielen außerschulischen Institutionen und Hilfsangeboten und können hier gut weiter vermitteln. Damit geht unsere Arbeit über die Schule hinaus.“

Redaktion: „Was unterscheidet sie konkret von Vertrauenslehrkräften?“

Frau Bernet: „Vertrauenslehrkräfte werden von der Schülerschaft selber gewählt und wir sind einfach fest auf der Stelle der Beratungslehrkräfte und haben auch entsprechend eine andere Ausbildung und Fortbildung. Auf unsere Tätigkeit als Beratungslehrkräfte haben wir viele Jahre hingearbeitet. Und wir haben natürlich auch mehr Stunden für die Beratung zur Verfügung.“

Redaktion: „Was war notwendig, um Beratungslehrkraft zu werden?“

Frau Lippert: „Wir haben in anderen Bundesländern geschaut, wie die Ausbildungspläne aussehen und haben nach den Themengebiete, die abgedeckt werden müssen, auch unsere Aus- und Fortbildung abgedeckt. Sehr viele Stunden, die meisten am Wochenende, sind in die Ausbildungsmaßnahmen geflossen. Zudem waren wir in den letzten Jahren schon in engem Kontakt zu unserer Vorgängerin, Frau Bongartz, und haben uns mit ihr ausgetauscht.“

Redaktion: „Weshalb wollten Sie Beratungslehrkräfte werden?“

Frau Bernet: „Das ist einmal der Wunsch, einfach mehr Hilfesysteme an der Schule zu haben. Also die Schule nicht nur als reinen Unterrichtsort zu sehen, sondern eben ein Ort, wo Beziehungen stattfinden und wo es wichtig ist, dass es allen Beteiligten möglichst gut geht, weil nur dann die Schule auch ein guter Lernort sein kann. Dafür mehr Zeit zu haben war ein Wunsch, zum Beispiel.“

Redaktion: „Was sagen sie zu einer schulunabhängigen Person, die vielleicht Ihre Arbeit auch noch unterstützt und für die Schülerschaft da ist?“

Frau Lippert: „Das wäre natürlich total wünschenswert und wir sind die ersten, die so etwas unterstützen würde. Also wünschen wir uns auch Schulsozialarbeiter:innen. Auch ein Schulpsychologe oder eine Schulpsychologin wäre toll. Vielleicht auch zwei oder drei. Wir sind eine sehr große Schule und hätten Arbeit für genug Menschen. Trotzdem glaube ich, dass das utopisch ist, denn wir müssen sehen, dass es die Ressourcen oft nicht gibt. Aber wenn wir die Möglichkeit hätten, wäre das natürlich toll. Was ich schwierig finde ist die Frage danach, dass da jemand, was hast du gesagt, unabhängig ist. Wir sind total unabhängig. Wir sind unabhängig, unparteiisch und wirklich verschwiegen. Und das ist uns wirklich, wirklich wichtig. Und wir haben den großen Vorteil gegenüber einem reinen Sozialarbeiter oder einer reinen Schulpsychologin, da wir durch unsere Doppelrolle wissen, die es in einem Klassenraum aussieht und zugeht.“

Redaktion: „Ersetzt eine Beratung bei Ihnen eine Therapie? Weil es bestimmt auch

Schüler:innen gibt, die eine bräuchten, aber keinen Therapieplatz bekommen.“

Frau Bernet: „Also ersetzen würde ich das nicht nennen, weil wir ja keine Therapeutinnen sind und deshalb auch nicht therapieren dürfen. Aber trotzdem haben wir natürlich gewisse psychologische Grundlagen und Methoden, die wir anwenden können, auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Aber, wenn wir das Gefühl haben, da ist wirklich langfristiger therapeutischer Bedarf, dann versuchen wir auch Möglichkeiten zu finden, um jemanden zu vermitteln. Du hast leider recht damit, dass das nicht immer gelingt und dann versuchen wir möglichst gut zu überbrücken. Bei unserer Arbeit handelt es sich aber eher um eine begleitende und nicht ersetzende Maßnahme und es schadet oft gar nicht, beides zu machen.“

Redaktion: „Und falls sich jemand nicht traut, zu Ihnen zu kommen? Was würden Sie der Person empfehlen?“

Frau Bernet: „Die Person kann sich grundsätzlich immer an die Klassenlehrkräfte wenden. Oder eigentlich an jede Lehrkraft, ganz egal. Eine Lehrkraft, zu der man einfach Vertrauen hat kann dann zum Beispiel bei der Vermittlung helfen.“

Frau Lippert: „Zudem kann man uns auch anschreiben (Itslearning, E-Mail: 312-beratung@schule.bremen.de), falls man sich nicht traut, uns persönlich anzusprechen. Zudem muss man auch nicht alleine zu uns kommen. Es gibt viele Jugendliche, die erstmal eine Freundin oder einen Freund mitbringen.“

Frau Bernet: „Und wir haben offene Pausen. Also immer, wenn unsere Tür offen steht, kann man eigentlich reinkommen, egal wann. Festgelegt ist das montags und mittwochs in der ersten großen Pause. Da ist immer einer von uns hier und man kann einfach die Pause hier verbringen. Man kann ein Gespräch führen, aber auch einfach nur da sein und Ruhe haben.“

Redaktion: „Wenn man zu Ihnen kommt um mit Ihnen ein Gespräch zu führen, wie würde das ablaufen?“

Frau Bernet: „Also man kommt einmal her und lernt sich kennen und tastet so ab, wo sozusagen die Schwierigkeiten liegen. Und dann versuchen wir gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“

Frau Lippert: „Für das Gespräch ist es auch möglich, aus dem Unterricht zu gehen, was auch gerne genutzt wird. Anschließend bekommt man ein Zettelchen von uns mit als Bestätigung, dass man hier war. Einige möchten auf gar keinen Fall, dass jemand mitbekommt, dass sie zu uns gekommen sind. Dann treffen wir uns in den Pausen oder im Anschluss an den Unterricht.“

Redaktion: „Gibt es noch etwas, was sie den Schüler:innen mitgeben möchten?“

Frau Bernet: „Ich finde es ganz wichtig, nochmal so zu appellieren: Ihr dürft euch Hilfe holen und müsst nicht alles alleine schaffen. Man kann vielleicht gemeinsam versuchen, manche Dinge etwas leichter zu machen.“

Frau Lippert: „Und ganz egal, um welches Thema es geht. Wir sind wirklich neutral und wir haben offene Ohren. Kein Thema ist zu klein oder zu groß oder zu peinlich. Wirklich, bringt es einfach mit. Und dann versuchen wir irgendwie das Beste draus zu machen.“

Redaktion: „Vielen Dank für Ihre Antworten!“