Die Bundeswehr will mehr Personal gewinnen. Deshalb startet ab 2026 ein neuer Wehrdienst. Er soll grundsätzlich freiwillig bleiben. So hat es der Bundestag am Freitag (05.12.2025) beschlossen. Hintergrund ist die veränderte Sicherheitslage in Europa und der Wunsch, Deutschland und seine Bündnispartner besser verteidigen zu können.

Wenn ihr 18 werdet, bekommt ihr Post: Alle jungen Menschen erhalten einen Fragebogen mit Fragen zu Fitness, Gesundheit und Interesse am Dienst. Für junge Männer ist das Ausfüllen verpflichtend, für Frauen freiwillig. Ab 2027 werden Männer zur medizinischen Untersuchung eingeladen. Diese Musterung ist Pflicht, auch wenn man später nicht dienen will.

Der freiwillige Wehrdienst dauert mindestens sechs Monate. Wer möchte, kann länger bleiben oder sich später für eine militärische Karriere entscheiden. Gleichzeitig soll eine größere Reserve aufgebaut werden, damit im Ernstfall mehr ausgebildete Kräfte zur Verfügung stehen.

Zunächst setzt der Staat darauf, dass sich genügend junge Menschen freiwillig melden. Falls das langfristig nicht ausreicht oder sich die Sicherheitslage deutlich verschlechtert, könnte der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschließen.

Aber jetzt klären wir erstmal alle wichtigen Begriffe und Fragen.

Was ist die Bundeswehr?
Die Bundeswehr ist die Armee Deutschlands. Ihre Aufgabe ist es, das Land zu verteidigen, Bündnispartner zu unterstützen und in besonderen Situationen zu helfen, zum Beispiel bei Naturkatastrophen. Neben Soldatinnen und Soldaten arbeiten dort auch viele zivile Angestellte.

Was ist die Wehrpflicht?
Die Wehrpflicht bedeutet, dass der Staat Bürger verpflichten kann, für eine bestimmte Zeit Militärdienst zu leisten. Nach dem Grundgesetz betrifft die Wehrpflicht grundsätzlich Männer ab 18 Jahren. Frauen können freiwillig zur Bundeswehr gehen, sind aber nicht wehrpflichtig. In Deutschland ist diese Wehrpflicht seit 2011 ausgesetzt. Das heißt ganz konkret: Im Moment wird niemand von euch gezwungen, zur Bundeswehr zu gehen.

Zwar existiert die Wehrpflicht rechtlich noch, sie könnte also theoretisch wieder eingeführt werden, doch aktuell ist das nur Teil politischer Debatten und keine beschlossene Realität. Was es aber gibt, ist ein neuer Wehrdienst: der Dienst ist freiwillig, die Musterung wird Pflicht.

Warum bekommt ihr Briefe von der Bundeswehr?
Einige von euch bekommen derzeit Briefe von der Bundeswehr. Diese Briefe bedeuten keine Einberufung und keine Verpflichtung. Die Bundeswehr nutzt sie, um auf sich aufmerksam zu machen und über freiwillige Möglichkeiten zu informieren, etwa über den freiwilligen Wehrdienst, Ausbildungen oder Studiengänge. Ob ihr darauf reagiert oder nicht, bleibt komplett euch überlassen.

Was hat es mit der Musterung auf sich?
Die Musterung ist eine Untersuchung, bei der festgestellt wird, ob jemand körperlich und psychisch für den Militärdienst geeignet ist. Für den neuen Wehrdienst ist vorgesehen, dass die Musterung wieder verpflichtend wird. Betroffenen sind zunächst alle Männer eines Jahrgangs, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden.

Zuerst werden diejenigen medizinisch untersucht, die im Fragebogen ihre Bereitschaft zum freiwilligen Wehrdienst angegeben haben und aus Sicht der Bundeswehr besonders geeignet erscheinen. Wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind, sollen schrittweise weitere Teile des Jahrgangs gemustert werden. Die Ergebnisse aus Fragebogen und Musterung dienen dazu, im Verteidigungsfall schnell auf einen Pool möglicher Rekrutinnen und Rekruten zurückgreifen zu können.

Warum wird wieder über die Wehrpflicht gesprochen?
In den letzten Jahren ist die Diskussion um die Wehrpflicht wieder lauter geworden. Internationale Konflikte und der Krieg in der Ukraine haben bei vielen Politikerinnen und Politikern die Sorge verstärkt, dass Deutschland nicht ausreichend verteidigungsfähig ist. Andere halten dagegen und betonen, dass Zwangsdienste die persönliche Freiheit einschränken und junge Menschen nicht gegen ihren Willen in den Militärdienst geschickt werden sollten.

Warum manche zur Bundeswehr wollen und andere nicht
Für einige junge Menschen kann die Bundeswehr attraktiv sein. Sie bietet Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, ein sicheres Einkommen und klare Strukturen. Andere lehnen die Bundeswehr bewusst ab. Sie lehnen Krieg und Gewalt ab und wollen nicht Teil eines militärischen Systems sein oder sehen ihre Zukunft in ganz anderen Lebenswegen. Auch moralische oder pazifistische Gründe spielen dabei eine Rolle.

Ein wichtiger Punkt in der Diskussion um den neuen Wehrdienst ist die Kriegsdienstverweigerung. In Deutschland gilt weiterhin das Grundrecht, den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen abzulehnen. Niemand darf gezwungen werden, mit einer Waffen zu kämpfen. Wer den Wehrdienst verweigert, kann stattdessen einen zivilen Dienst leisten. Mit der aktuellen Wehrdienst-Debatte wird auch darüber gesprochen, Ersatz- oder Freiwilli­gendienste auszubauen. Gleichzeitig steigen die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung seit Beginn des Ukraine-Krieges deutlich an. 

Vor allem die geplante verpflichtende Musterung sorgt für Diskussionen. Kritische Stimmen sehen darin einen möglichen ersten Schritt zurück zur Wehrpflicht. Sie befürchten, dass bei zu wenigen Freiwilligen wieder Auswahlverfahren wie ein Losentscheid eingeführt werden könnten. Am Tag der Gesetzesverabschiedung protestierten Schülerinnen und Schüler in mehreren deutschen Städten gegen mögliche verpflichtende Dienste. Sie äußerten die Sorge, ihre Zukunft und Lebenszeit könnten eingeschränkt werden. Organisatoren erklärten, viele Jugendliche fühlten sich politisch zu wenig berücksichtigt und wollten nicht verpflichtet werden, militärische Aufgaben zu übernehmen. „Wir fühlen uns als Generation vernachlässigt und wir sehen es als Generation dann nicht ein, für die Bundesregierung in den Schützengraben zu springen“, sagt ein Schüler und Mitorganisator des Schulstreiks in Koblenz. Mehr dazu hier

Wichtig zum Schluss

Aktuell gilt: Niemand von euch muss zur Bundeswehr, und niemand kann dazu gezwungen werden. Es ist wichtig, dass ihr euch eine eigene Meinung bildet und diese vertreten dürft. Ob ihr die Bundeswehr unterstützt, kritisch seht oder euch klar gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht einsetzt. All das ist Teil einer lebendigen Demokratie.

Außerdem hat unsere Schülervertretung (SV) einen aktuellen Flyer „Zum Geburtstag einen Brief von der Bundeswehr“ zum Thema erstellt, der wichtige Informationen übersichtlich zusammenfasst. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die SV für ihr Engagement und die Unterstützung bei der Aufklärung über dieses wichtige Thema.

Die angehängte Präsentation habe ich mit Greta im Politikunterricht am 27.05.2025 gehalten. Da sind nochmal viele Fakten über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht mit vielen Quellen, die sich Interessierte gerne ansehen können.