Professor Eisatnafs Theorie

Ich ging eines Tages die Straße entlang, um meinen wie gewohnten nachmittäglichen Spaziergang zu vollenden, da kam mir ein etwas heruntergekommen wirkender Mann entgegen und schritt geradewegs auf mich zu, sodass mir keine Möglichkeit mehr blieb, ihm auszuweichen. Im Nachhinein bin ich doch froh, dass ich das nicht geschafft habe, da ich selten eine solch interessante Unterhaltung geführt hatte.

Er blieb einfach stehen und winkte mich zu sich rüber – ich war unglaublich neugierig, bin zu ihm gelaufen und stand nun gegenüber über von ihm – einem kauzigen Herrn mit einer großen Hornbrille. Er trug einen alten zerfransten dunkelblauen Mantel, ein etwas schluderiges weißes Hemd und eine smaragdgrüne Krawatte, die schon bessere Zeiten gesehen hatte. Außerdem fiel gleich auf, dass er sehr klein und unglaublich dünn war. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende geführt, da fing er auch schon an zu sprechen:

„Herzlich willkommen zu unserer Geschichtsstunde, heute gehts um die einzig wahre Entstehungsgeschichte Bremens.

Ich gehe davon aus, dass Sie bereits von der glamourösen Entstehungsgeschichte Roms gehört haben – falls das nicht der Fall sein sollte, hier eine kurze Erklärung, die alle für uns relevanten Informationen enthält:

Alles begann mit zwei Brüdern, von denen einer eine Stadt gründen sollte. Sie hießen Romulus und Remus und wurden von einer Wölfin aufgezogen, was vielleicht zur späteren Brutalität führte, die die Beiden im Laufe der Zeit entwickelten. Da Remus der Ältere war, sollte er die Aufgabe übernehmen und die Stadt gründen. Aber wie das unter Brüdern nun mal so ist, war Romulus neidisch auf seinen Bruder, brachte Remus um und gründete die Stadt Rom nach seinem Namen.

Meine Theorie ist nun: Remus wurde nicht von seinem Bruder umgebracht, sondern täuschte seinen Tod lediglich vor und wanderte ins heutige Deutschland, wo er seine eigene Stadt gründete. Als er auf dem Sterbebett lag, fragten ihn die Einwohner seiner Stadt ohne Namen, wie denn diese heißen sollte. Da der Mann aber schon sehr alt war und daher seine Sprache… naja, wie soll ich es sagen – etwas „eingelaufen“ war, verstanden die Bewohner nicht „Rem“, wie dieses Städtchen eigentlich heißen sollte, sondern „Brem“.

Viele Jahrzehnte lang bestand nun die Stadt Brem, bis die Leute anfingen zu sagen, dass es nicht „Brem“ hieße, sondern ein hochtragendes „-en“ angehängt wird und die Stadt somit zu „Bremen“ wird, damit der Name nicht mehr so plump klingt. Wir können stolz darauf sein, hier heute zu leben!“

Ich war unglaublich überrascht, wie gut er diese vermutlich völlig irrsinnige Geschichte erzählte, als wäre sie eine allbekannte Tatsache. Genauso faszinierte mich seine scheinbare Überzeugung und seine Fantasie, die diese Erzählung geschaffen hatte. Ich fragte mich ernsthaft, ob das eine lang geplante oder eine spontan entwickelte Aktion war.

„Ich bin Professor Eisatnaf.“ sagte er, „Fabio Eisatnaf! Guten Tag!“ Er zwinkerte mir zu, lächelte und schritt majestätisch mit wehendem Mantel davon.

 

Disclaimer: Dies ist ein kreativer Beitrag und basiert auf keiner Geschichte, die wirklich so stattgefunden hat.

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